Preisträger des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens 1994

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Prof. Dr.-Ing. habil. Gerd Fleischer

Professor Fleischer wurde am 13. Juni 1927 in Freital bei Dresden geboren. Nach Besuch von Volksschule und Techniker-Vorschule erlernte er den Beruf des Technischen Zeichners. Der 2. Weltkrieg behinderte ihn an der Berufsausübung, und nach Rückkehr aus englischer Gefangenschaft bereitete er sich in der Vorstudienanstalt Dresden von 1946 bis 1947 durch Erlangung der Hochschulreife auf das Studium an der Technischen Hochschule Dresden, Gebiet Maschinenbau, vor. Seine Diplomarbeit, von Prof. Heidebroek angeregt, befasste sich mit der Leistungsfähigkeit von Hohlflanken-Schneckengetrieben und wurde 1953 mit Erfolg verteidigt.

Seit September 1950 betätigte sich der Maschinenbau-Student am Heidebroek´schen Institut für Maschinenkunde als Hilfsassistent, später wurde er Assistent und schließlich Oberassistent. Ihm oblag zuletzt die wissenschaftliche Betreuung des dem Institut angeschlossenen Labors für Lager- und Schmierungstechnik. 1955 verstarb sein Lehrer, Nationalpreisträger, Rektor der TH Dresden und 1.Präsident der Kammer der Technik. Er hatte seinen Oberassistenten noch auf die Notwendigkeit der weiteren Aufklärung des „Stick-Slip-Effektes“ aufmerksam gemacht. Eine entsprechende Doktorarbeit wurde 1961 mit dem Prädikat „magna cum laude“ abgeschlossen.

Bereits ab 1. Mai 1959 übernahm G. Fleischer nebenamtlich den Aufbau und die Leitung der Abteilung Gleitlager und Schmierungstechnik am Zentralinstitut für Lagertechnik in Leipzig, wo vorher nur Aufgaben der Wälzlagertechnik bearbeitet wurden. Auch nach der am 1. Januar 1960 erfolgten Berufung als kommissarischer Direktor des Instituts für Maschinenelemente und Schmierungstechnik an der damaligen Hochschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg bestand die Tätigkeit in Leipzig weiter. Es war nur folgerichtig, dass G. Fleischer mit ebenso aktiven Mitstreitern, wie E. Pietsch, W.-S. Scheel und G. Keil, an der am 11. Dezember 1964 in Berlin erfolgten Gründung der „Kommission für Schmierstoffe, Schmierungs- und Lagertechnik (KfS) bei der Kammer der Technik maßgeblich beteiligt war. Von der KfS initiiert – später war auch G. Fleischer zeitweilig deren Vorsitzender – entstanden „Bezirkliche Arbeitsgemeinschaften“, spezielle fachlich orientierte Arbeitsgruppen, und es wurden regelmäßig das „Forum der Schmierungspraktiker“ sowie das „Internationale Symposium Schmierstoffe und Schmiertechnik“ organisiert. Wie an der Ingenieurschule Riesa wurde auch in Magdeburg mehrmals ein postgraduales Studium zum „Fachingenieur für Schmierungstechnik“ durchgeführt.

Nach der im April 1965 von G. Fleischer in Magdeburg erfolgten Habilitation zu Problemen der Lager- und Reibungsforschung folgte die Ernennung zum Professor und Institutsdirektor für Maschinenelemente und Schmierungstechnik, ab 1969 für Konstruktions- und Tribotechnik. Der neue Begriff „Tribotechnik“ wurde damit erstmalig an einer deutschen Hochschule eingeführt. Neben der Ausübung von Aufgaben als Dekan und Senatsmitglied an der seit 1961 „Technische Hochschule Otto von Guericke“ genannten Magdeburger Bildungsstätte oblag Prof. Fleischer seit 1970 die Koordinierung der wissenschaftlichen Grundlagenforschung an den Hochschulen der DDR. Gleichzeitig entwickelte sich die Zusammenarbeit mit den Tribologen des Instituts A. A. Blagonravov (IMASCH) in Moskau. Dies führte auch zum Wissenschaftleraustausch und zu gemeinsamen Veröffentlichungen. Im Rahmen von Freundschaftsverträgen bestand enger fachlicher Kontakt zu den Hochschulen in Wrocław und Radom (Polen), Miskolc (Ungarn), Brno (Tschechien) und Santiago de Cuba.

Neben der Anfertigung von weit mehr als 100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen und der Mitwirkung an mehreren Lehrbüchern entstand 1980 die Monographie „Verschleiß und Zuverlässigkeit“. Die wichtige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgte u.a. mit über 140 Promotions- und Habilitationsgutachten für Kandidaten aus 13 Ländern. Aus seinen Schülern und Promovenden gingen mehrere Professoren und viele leitende Industriemitarbeiter hervor.

Insgesamt fand das Lebenswerk von Prof. Gerd Fleischer neben Auszeichnungen im Rahmen der Kammer der Technik und des Hochschulwesens im Jahre 1989 im Beisein des Präsidenten des International Tribology Council (ITC), Prof. Dr. P. Jost, durch die erst zweite Verleihung der internationalen Tibology Gold Medal an einen deutschen Wissenschaftler eine hohe Anerkennung. Im nationalen Rahmen erfolgte dies 1994 mit der Verleihung des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens durch die GfT.

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