Preisträger des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens 2000

zurück

Dr.-Ing. Günter Heinke

Dr.-Ing. Günter Heinke wurde am 29. Juli 1934 in Gera/Thüringen geboren. Nach dem Abitur 1953 absolvierte er dort eine Maschinenschlosserlehre und studierte ab 1955 Maschinenbau an der TH Darmstadt. Während des Studiums hat er bereits als Hilfsassistent am Institut für Werkstoffkunde das Gebiet Werkstofftechnik vertieft und mit einer Diplomarbeit über Rissinitiierung und Rissfortschritt bei der Schwingungsrisskorrosion das Studium abgeschlossen.

Als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Werkstoffkunde an der TH Darmstadt unter Leitung von Professor Wiegand hat er ab 1962 neben Schadensuntersuchungen das neue Arbeitsgebiet Verschleißforschung am Institut aufgebaut. Im Rahmen eines Forschungsprogramms Reibung – Verschleiß – Schmierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurden Verschleißprüfeinrichtungen zur Untersuchung von Verschleißvorgängen unter trockener Reibung, u.a. unter Vakuumbedingungen, und unter Grenz- und Mischreibungsbedingungen entwickelt und gebaut. Themenschwerpunkt seiner Forschungstätigkeit waren in Zusammenarbeit mit der Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen die Analyse tribologischer Beanspruchungen und Grenzen der Simulation in Modell- und Bauteilversuchen hinsichtlich der Übertragbarkeit auf das Betriebsverhalten mit einer sicheren Vorhersage.

Nach der Promotion mit dem Thema Grundsatzuntersuchungen zum Haftverschleiß metallischer Werkstoffpaarungen unter Vakuumbedingungen hat er sein tribologisches Wissen ab 1970 im Technischen Zentrum Forschung der Robert Bosch GmbH in Stuttgart in die industrielle Praxis umgesetzt mit dem Aufbau eines Laboratoriums für Tribologie, der Entwicklung firmenspezifischer tribologischer Prüfverfahren zur Werkstoffauswahl für Boschprodukte und der Beratung der Entwicklungs- und Fertigungsabteilungen in tribologischen Fragen. Grundsatzuntersuchungen zum Erosionsverschleiß führten zu einem Fertigungsverfahren zur Verbesserung der Standzeit von Einspritzdüsen.

Mit dem Wechsel 1981 zur BASF in Ludwigshafen widmete sich Dr. Heinke wieder der ganzen Breite der Werkstofftechnik mit den Schwerpunkten Betriebsbeanspruchung von Bauteilen in Chemieanlagen bezüglich Festigkeit, Korrosion metallischer Werkstoffe, Medienbeständigkeit von Kunststoffen und Strömungserosion als Grenzgebiet zur Tribologie. Daneben erfolgte der Aufbau einer Arbeitsgruppe zur Optimierung der Bauteilfestigkeit von Kunststoffbauteilen aus Faserverbundwerkstoffen für die Automobilindustrie. In dieser Zeit hat Dr. Heinke als Mitarbeiter und Leiter der BASF-Werkstofftechnik den Übergang von der klassischen Materialprüfung zu einer an den betrieblichen Erfordernissen ausgerichteten Werkstofftechnik als strategisches Element der Sicherheit und Verfügbarkeit der BASF-Produktionsanlagen gestaltet.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit in Hochschule und Industrie hat Dr. Heinke aktiv in wissenschaftlich-technischen Vereinigungen mitgearbeitet. So war er in den 70er und 80er Jahren im Normenausschuss für Verschleißfragen an der Ausarbeitung einer neuen, tribologisch ausgerichteten Verschleißnorm und im Auftrag des damaligen Bundesministerium für Forschung und Technologie an der Erstellung einer Studie Tribologie beteiligt, die die Basis eines umfangreichen staatlichen Tribologie-Förderprogramms in den 70er und 80er Jahren wurde. Im Rahmen dieses Förderprogramms war er auch als Gutachter tätig. Er war sechs Jahre im Beirat der VDI-Gesellschaft Werkstofftechnik und neun Jahre im Vorstand der Gesellschaft für Tribologie (GfT). Für seine Verdienste bei der Entwicklung der Tribologie wurde Dr. Heinke im Jahre 2000 mit dem Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichen der GfT ausgezeichnet.

Bereits im Ruhestand, hat er wesentlich zur Gründung des Göttinger Kreises beigetragen. Über seine tribologischen Arbeiten sind zahlreiche Veröffentlichungen entstanden.

zurück