Preisträger des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens 2003

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Prof. Dr.-Ing. habil. Karl-Heinz Habig

K.-H. Habig wurde am 3. Oktober 1939 im westfälischen Hagen geboren. 1958 legte er am Städtischen Neusprachlichen Gymnasium Olpe die Reifeprüfung ab und nahm nach einem halbjährigen Industriepraktikum im gleichen Jahr an der Technischen Universität Berlin (TU) das Studium des Hüttenwesens auf, das er 1964 mit dem Diplom in der Fachrichtung Metallkunde abschloss. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Metallkunde der TU Berlin und 1967 mit der Dissertation „Beitrag zur Kristallisation von Antimon in Blei-Antimon- und von Blei in Blei-Zinn-Legierungen“ zum Dr.-Ing. promoviert.

Er trat 1967 in die Fachgruppe „Rheologie und Tribologie“ der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin ein. 1978 wurde ihm die Leitung des BAM-Laboratoriums „Tribometrie und Tribophysik“ übertragen. Seine intensiven Arbeiten auf diesem Gebiet fasste er in der Monografie „Verschleiß und Härte von Werkstoffen“ zusammen, die 1980 im Carl Hanser Verlag erschien. Sie bildete die Grundlage für seine Habilitation im Jahr 1983 im Fachbereich 17 „Werkstoffwissenschaften“ der TU Berlin für das Lehrgebiet „Tribologie; Verschleißschutz“. Von 1984 bis 2008 hielt er regelmäßig die Vorlesung „Einführung in die Tribologie“. 1984 wurde er Leiter der Fachgruppe „Rheologie und Tribologie“ der BAM und im darauf folgenden Jahr wurde er zum Direktor und Professor der BAM berufen. 1989 folgte die Ernennung als Außerplanmäßiger Professor an der TU Berlin.

Das Buch „Tribologie Handbuch – Reibung und Verschleiß“, das er zusammen mit H. Czichos 1992 im Verlag Vieweg veröffentlichte, wurde zu einem Standardwerk der Tribologie. Die 3. Auflage erscheint 2010.

Aus einer fachlichen Sichtweise lassen sich die Arbeiten von Prof. Dr. K.-H. Habig vor allem in fünf Gebieten zusammenfassen:

  • Materialwissenschaftliche Grundlagen von Reibung und Verschleiß
  • Tribologische Mess- und Prüftechnik
  • Verschleißmechanismen und Maßnahmen zu ihrer Beeinflussung
  • Oberflächentechnik in der Tribologie
  • Tribologie keramischer Werkstoffe

In Anerkennung seiner vielfältigen Aktivitäten auf dem Gebiet der Tribologie wurde K.-H. Habig 2003 mit dem Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichen der Gesellschaft für Tribologie ausgezeichnet.

1992 wurde er im Zuge der Wiedervereinigung und der Einstellung von Mitarbeitern aus der ehemaligen DDR mit dem Aufbau einer umwelttechnologischen Abteilung in der BAM betraut. Zusätzlich konzipierte er die Eingliederung von Mitarbeitern des Bereiches „Glas/Keramik“ der Akademie der Wissenschaften der ehemaligen DDR.

1993 erfolgte die Ernennung als Leiter der neu gegründeten Abteilung „Umweltbezogene Materialtechnologien“, deren Bestand er gegenüber Widerständen sichern konnte. Im selben Jahr wurde er zum Mitglied des Präsidiums der BAM berufen.

K.-H. Habig nahm zahlreiche Ehrenämter in verschiedenen technisch-wissenschaftlichen Organisationen wahr. So war er von 1988 bis zum Jahr 2003 Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft Werkstofftechnik im Verein Deutscher Ingenieure (VDI), von 1996 – 2002 deren Vorsitzender. Er setzte sich in besonderem Maße für die Zusammenarbeit der Materialgesellschaften der Bundesrepublik Deutschland ein und war Mitbegründer der Werkstoffwoche – Materials Week. Von 1991 bis 1995 übte K.-H. Habig das Amt des Geschäftsführers und Schatzmeisters der Deutschen Rheologischen Gesellschaft 1991 aus. Er gehörte dem Beirat der Gesellschaft für Tribologie von 1990 – 1998 an, die letzten 6 Jahre als Vorsitzender. Sein Rat war auch von anderen Institutionen gefragt. Er war unter anderem Mitglied des Vorstandes des TÜV Berlin Brandenburg, des Verbraucherrates des DIN, des Regulatory Committee for Standards, Measurement and Testing der Europäischen Union, des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Werkstofftechnik in Bremen und des deutsch-schwedischen Forschungskuratoriums.

Nach 36 Jahren Zugehörigkeit zur BAM trat K.-H. Habig zum 1. Oktober 2003 in den Ruhestand. Seitdem schrieb er zwei Familienchroniken. 2009 erschien im Shaker Verlag Aachen sein Buch „Unser Leben – Woher kommen wir? Wie leben wir? Wohin gehen wir?“
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