Preisträger des Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichens 2016

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Dipl.-Ing. (FH) Richard Karbacher

KnollRichard Karbacher erblickte am 22. April 1953 als zweites von vier Kindern in Gerolzhofen nahe Schweinfurt das Licht der Welt. Aufgewachsen ist er in Kleinrheinfeld, einem Dorf mit damals 160 Einwohnern etwas abseits der Straße von Gerolzhofen nach Haßfurt gelegen. Die Eltern bewirtschafteten eine kleine Landwirtschaft und zur Verbesserung der kargen Einkünfte übte der Vater daneben noch eine Reihe von (halb)ehrenamtlichen Tätigkeiten aus, unter anderem als Wiegemeister der Gemeindewaage und Organist.

In Kleinrheinfeld besuchte Richard Karbacher sechs Jahre lang eine einklassige Volksschule, d.h. acht Klassen in einem Schulzimmer, und danach die Realschule in Gerolzhofen. Nach Abschluss der Realschule begann er eine Lehre als Maschinenschlosser bei der Fa. FAG Kugelfischer mit der Absicht, danach das Polytechnikum zu besuchen. Nach einem Jahr Lehre wechselte er in die 12. Klasse der Fachoberschule in Schweinfurt und erwarb dort die Fachhochschulreife. Das folgende Studium an der Fachhochschule Schweinfurt konnte er durch Anrechnung des einen Lehrjahres in der Rekordzeit von 7 Semestern als Diplom-Ingenieur beenden.

Während des Studiums arbeitete er in den Wintersemesterferien bei FAG Kugelfischer in unterschiedlichen Produktionsabteilungen und lernte den Werdegang des Wälzlagers an der Basis von der Schmiede bis zur Endbearbeitung kennen.

Ursprünglich war sein Berufsziel mehr auf Produktionstechnik ausgerichtet, insbesondere auf die Warmumformung. Da aber bei FAG Kugelfischer in der Fertigung keine entsprechende Position zu besetzen war, begann seine berufliche Laufbahn 1977 stattdessen – man kann heute sagen, glücklicherweise – in der Gruppe Grundlagenforschung Wälzlager mit Dr. Kleinlein als Leiter im Bereich Produktforschung unter H.-K. Lorösch. Der Bereich Schmierung war integraler Bestandteil der Wälzlagertechnik und die Betreuung der Prüfstände lag noch direkt bei den Projektingenieuren. So hatte Herr Karbacher auch die Verantwortung für die FE 8 Wälzlagerschmierstoff-Prüfgeräte, einen großen Radsatzlagerprüfstand und mehrere spezielle anwendungsnahe Prüfmaschinen.
Arbeitsschwerpunkte waren u.a.:

  • die axiale Tragfähigkeit vollrolliger Zylinderrollenlager,
  • die Schmierung und Optimierung von Zylinderrollenlagern für Hochgeschwindigkeitsbahnen,
  • die Verbesserung der Bordgeometrie von Axialpendelrollenlagern und
  • die Fett-Schmierung von großen Radialpendelrollenlagern in Schaufelradbaggern und Förderbandrollen im Tagebau.

Nach der Trennung der Bereiche Lagerentwicklung und Schmierung arbeitete Richard Karbacher von 1980 bis 1985 schwerpunktmäßig im Bereich Lagerentwicklung, um danach in den Bereich Schmierung zu wechseln, den er als Nachfolger von Herrn Dr. Kleinlein ab 1993 verantwortlich leitete. Mit dem Ausscheiden von Peter Dreschmann wurde ihm zusätzlich die Leitung des Bereichs Dichtungsentwicklung für industrielle Anwendungen und die Entwicklung von Kunststoffkäfigen übertragen, später übernahm er anstelle dessen die Verantwortung für die Bereiche Chemielabor und Produktionschemie. Durch die Fusion und die organisatorische Zusammenlegung mit den INA Standorten rückte 2008 wieder der Bereich Schmierung und Tribologie in den Mittelpunkt, den Richard Karbacher bis zum Eintritt in die passive Phase der Altersteilzeit im Mai 2015 leitete.

Während seiner aktiven Dienstzeit hat Richard Karbacher eine intensive Zusammenarbeit mit deutschen und ausländischen Hochschulen (USA, Kanada UK, Schweiz, Österreich, Slowakei, China) gepflegt, vor allem auch durch sein großes Engagement in der Forschungsgemeinschaft Antriebstechnik. Dort leitete er die Gruppe „Wälzlagerschmierung“ im Arbeitskreis „Schmierstoffe und Tribologie“, dessen stellvertretende Leitung er gleichzeitig innehatte. Gegenwärtig hält er weiterhin seine Vorlesung an der Fachhochschule Schweinfurt zum Thema Schmierung.

Einen ersten Kontakt zur GfT hatte Herr Karbacher durch seine Zuarbeit zu den Vorträgen, die Dr. Kleinlein auf der Tribologie Fachtagung präsentierte. Ein erster direkter Besuch war ein begleitendes Seminar, damals noch in Koblenz, dem viele Besuche und Vorträge auf den jährlichen Tagungen folgten. Eine hervorgehobene Stellung in der GfT kommt Herrn Karbacher durch seine Mitwirkung im wissenschaftlichen Beirat und insbesondere durch seine führende Rolle bei der Gestaltung und Weiterentwicklung des GfT-Arbeitsblattes „Wälzlagerschmierung“ zu.

In vielen Fachvorträgen bei der GfT, dem VDI, der FVA, dem VdEH, der DGMK und – international – bei NLGI, ELGI, STLE, WTC – hat Herr Karbacher sein Wissen zur Schmierung von Wälzlagern weitergegeben und zum guten Ruf der deutschen tribologischen Forschung wesentlich beigetragen.

Nicht zuletzt hat er seine Expertise in eine Vielzahl von Normungs-Gremien eingebracht (DIN, EN, ISO, FIS) und damit die praktische Umsetzung tribologischer Erkenntnisse voran gebracht.

In Würdigung seiner Verdienste wurde Herrn Dipl.-Ing (FH) Richard Karbacher am 27. September 2016 das Georg-Vogelpohl-Ehrenzeichen verliehen.

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